Ein Modell für Afghanistan: Schule in Kabul praktiziert ganzheitliche Lernmethode

25. März 2019

Shelter Now sucht nach größerem Gebäude für seine „Helping Hands School“


Sie soll eine Modellschule für das neue Afghanistan werden – die durch das internationale christliche Hilfswerk Shelter Now betriebene „Helping Hands School“ in Kabul („Schule der Helfenden Hände“). Alle fünf Lehrerinnen haben jetzt ihre Zusatzausbildung in dem pädagogischen Konzept „Aktives Teilhabendes Lernen“ abgeschlossen: Neben Lesen, Schreiben und Rechnen sollen die Kinder auch Selbstverantwortung, Neugier, Sozial- und Entscheidungskompetenz vermittelt bekommen. Dies sei für Afghanistan „eine kleine Revolution“, sagt der deutsche Shelter Now-Direktor Udo Stolte. Bisher gebe es fast ausschließlich Frontalunterricht: Der Lehrer sagt vor und alle Schüler wiederholen.  

Am 21. März hat in Afghanistan das neue Schuljahr begonnen und nun kommt die Methode in allen vier Klassen der Grundschule zum Tragen. Ihr erstes Training hatten die Lehrerinnen bereits vor zwei Jahren absolviert und begonnen, die Erst- und Zweitklässler der „Helping Hands School“ nach der neuen Methode zu unterrichten. Während des Schuljahrs erhalten die Pädagoginnen weiter Begleitung durch Mentoren, die in den Unterricht kommen. Das Konzept wurde von einem Beratungs-Institut entwickelt und mit Richtlinien des afghanischen Erziehungsministeriums abgestimmt.  

„Das ganzheitliche Lernen macht den Mädchen und Jungen so viel Spaß, dass sich die Beliebtheit der Schule immer mehr herumspricht“, freut sich Stolte. Viele Eltern wollten ihre Kinder unbedingt dort anmelden: Statt der derzeit 100 Schülerinnen und Schüler könnte man auch 200 aufnehmen – wenn der Platz vorhanden wäre, so der Shelter Now-Direktor. Bisher werden die Kinder in zwei Klassenräumen in zwei Schichten unterrichtet: eine Hälfte vormittags, die andere nachmittags.  

Noch aus einem weiteren Grund möchte die „Helping Hands School“ umziehen: Für eine konsequente Anwendung des „Aktiven Teilhabenden Lernens“ werden mehr Räume auch für Arbeit in kleinen Gruppen benötigt. Man brauche ein Gebäude, das eigens dafür konstruiert oder umgebaut wird sowie entsprechendes Lehr- und Lernmaterial, sagt Stolte. Im Frühjahr soll die Suche nach einem neuen Zuhause für die Schule beginnen, zu der auch eine „Vorschule“ für Kinder unter sieben Jahren gehört.

Shelter Now hatte die „Helping Hands School” 2009 von einer anderen Organisation übernommen. Auch bei der Erziehung zum Frieden ist die Schule beispielgebend: Kinder aus verschiedensten Volksgruppen wie Paschtunen, Tadschiken, Hazaras oder Usbeken lernen hier gemeinsam.  


Über Shelter Now

Shelter Now ist ein internationales Hilfswerk mit Koordinierungsbüro in Deutschland. Von 1983 bis 2016 war es in Pakistan tätig. 1988 begann die Arbeit in Afghanistan, 2014 in der Autonomen Region Kurdistan (Nord-Irak). Der Name der Organisation in Deutschland lautet „Shelter Now Germany e.V.“. Shelter Now finanziert seine Hilfsaktionen zu einem großen Teil aus privaten Spenden. Die effiziente und projektbezogene Verwendung der Mittel wird Shelter Now durch das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) seit 2006 jährlich mit dem Spendensiegel bescheinigt.

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