Frauen in Afghanistan bauen gemeinschaftlich „Aloe Vera“ an

15. März 2018

Zusätzlicher Ertrag neben Gemüse und Obst – Shelter Now finanzierte Gewächshaus


Seit Jahrtausenden sind ihre Blätter als heilkräftig bekannt: Aloe Vera. Auch die 16 Frauen aus der Agrargenossenschaft Saodat im Westen Afghanistans wissen um die Wirkung des Pflanzensafts bei Hautverletzungen, Sonnenbrand und Entzündungen. Weil das warme und trockene Klima gute Bedingungen für Aloe Vera bietet, bauen sie im gemeinschaftlich betriebenen „Frauengarten“ neben Obst und Gemüse nun auch die Heilpflanze an.

Im November setzten die Bäuerinnen 320 Jungpflanzen ins Gewächshaus, das aus Mitteln des internationalen christlichen Hilfswerks Shelter Now ein Stegplatten-Dach, eine Folienfront und eine Tröpfchenbewässerung erhielt. Die Pflanzen finanzierte die Frauenvereinigung aus dem Anbau und der Verarbeitung von Obst und Gemüse. „Die Bewässerung ist ideal, weil die Aloe Vera nur wenig Wasser, einen gleichmäßig warmen Standort und viel Licht benötigt“, erklärt Shelter Now-Landwirtschaftsexpertin Gudrun Göttler, die die Erzeugergemeinschaft begleitet. Das Gewächshaus schützt die Pflanzen vor dem kalten afghanischen Winter.

Der Anbau der Aloe Vera, die ursprünglich von der arabischen Halbinsel stammt, hat sich weltweit zu einem großen Wirtschaftszweig entwickelt – mit steigender Nachfrage. Das aus den Blättern gewonnene Extrakt wird nicht nur als Heilmittel, sondern auch zur Hautpflege, in After-Sun-Lotionen und sogar in der Getränkeindustrie verwendet. Die Ernte aus dem „Frauengarten“ verkauft ein Vertragshändler an einen Getränkehersteller in der Provinzhauptstadt Herat sowie in den Iran zur Verarbeitung in der Kosmetikindustrie.

Eine Aloe Vera-Pflanze kann zwölf Jahre genutzt und viermal jährlich geerntet werden, so Göttler. Neue Jungpflanzen könnten die Bäuerinnen verkaufen oder die Anbaufläche vergrößern. Die Expertin rechnet mit 40 Prozent mehr Gewinn als beim Gemüsebau. Dieser solle aufgrund der dafür nicht optimalen Klima- und Bodenverhältnisse etwas reduziert, Obstbau jedoch unvermindert beibehalten werden. Gute Ergebnisse erzielen die Frauen nach den Worten Göttlers inzwischen auch mit Luzerne und dem Mästen von Schafen.

Braunschweig, den 15. März 2018


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