Jugendliche Waisen bekommen eine Ausbildung

Oktober 2014 - Udo Stolte besucht das Ausbilungszentrum:

Die angehenden Schneider sind mit Spaß bei der Sache.
Die angehenden Schneider sind mit Spaß bei der Sache.

Seit mehr als acht Jahren unterstützen wir Waisenkinder in Faizabad – zumeist täglich mit frischen Broten, manchmal neuer Kleidung und mehr. Endlich scheint ein Traum unserer beiden Mitarbeiter Natalie und Corey in Erfüllung zu gehen: Wir können einigen von ihnen eine Ausbildung geben!

Ein langer Atem war nötig, bis ihnen dies möglich wurde. Man kann ja nicht einfach ins Waisenhaus gehen und ein paar Jugendlichen eine Ausbildung geben. Wir müssen warten, bis der Direktor der Einrichtung darum bittet; im letzten Jahr nun fragte dieser, ob wir den Jungen nicht eine Berufsausbildung anbieten können. Eine Schulausbildung bekommen sie, aber wenn sie 18 Jahre alt sind, müssen sie das Waisenhaus verlassen und stehen auf der Straße. Jungen mit Familie ergreifen normalerweise den Beruf ihres Vaters, Waisenkinder haben diese Chance nicht. Mädchen gibt es in dieser Einrichtung nicht mehr, sie werden in anderen Waisenhäusern in verschiedenen kleineren Städten der Provinz Badakhshan untergebracht.

Eine französische Stiftung, „Motul Corazon“ hat die Finanzierung zu 2/3 übernommen, der Rest der Kosten kommt aus privaten Spenden. Das Geld war nun zwar vorhanden, aber unsere Geduld wurde weiterhin auf eine harte Probe gestellt: Erst zog das ganze Waisenhaus in einen anderen Stadtteil um, dann wechselte der Direktor, dann wechselte der Direktor noch einmal, bis – endlich, im September – der Start möglich war. In der Zwischenzeit waren Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren nach ihren Berufswünschen befragt worden, etliche von ihnen wollten das Schneiderhandwerk erlernen. Ein sehr guter Ausbilder wurde auch gefunden.

Auch das professionelle Annähen von Knöpfen will gelernt sein.
Knopf annähen wird geübt.
Schon nach wenigen Tagen haben die Jungs es mit der Nähmaschine drauf.
Es geht schon ganz gut mit der Maschine.
Beeindruckend, wie gern die Jungs sich gegenseitig helfen.
Die Jungs bei der Arbeit
 

Am Dienstag, dem 21. Oktober besuche ich das Trainingszentrum: Auf dem Grundstück angekommen, fällt mir zunächst das neue Haus auf: zwei große Räume, sehr sauber, Geräusche von Nähmaschinen. Als ich den Trainingsraum betrete, finde ich Jugendliche an Nähmaschinen vor – obgleich vertieft in ihre Arbeit, stehen alle auf und begrüßen mich sehr höflich. Der Trainer wird mir vorgestellt, ein junger Mann von 30 Jahren. Dann setzen sich die Jungen wieder an den großen, niedrigen Tisch und nähen mit ihren handbetriebenen Maschinen. Ich bin zutiefst beeindruckt von ihrer hohen Motivation; mit welchem Eifer alle ihre Nähte ziehen und dabei versuchen, diese möglichst exakt hinzubekommen. Der Trainer hat alles im Blick, hilft hier und zeigt dort, bleibt dabei immer freundlich und nett zu den Jungen. Ich bin begeistert!

Die Tür geht auf, und der Direktor des Waisenhauses betritt den Raum. Er gibt mir gern ein Interview in die Kamera und bestätigt, wie sehr er sich über dieses Projekt freut.

In der Pause unterhalte ich mich mit den Jungen über alles Mögliche, auch über Politik. Sie sind sehr höflich, und es macht Spaß mit ihnen zu reden.

Zwei Tage später bin ich wieder dabei. Einer der Jungen zeigt mir, was er gerade genäht hat: eine der hier üblichen Pluderhosen! Ich kann es nicht glauben, was die Jungen in der kurzen Zeit hier lernen. Ein tolles Projekt!

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Update Herbst 2018: Zurzeit werden 12 Jungen zu Elektrikern ausgebildet. Die Ausbildung dauert 6 Monate.