Die Schäfchen ins Trockene bringen – Mikrokredite für Schafe und Kühe in Afghanistan

Existenzgründung in Afghanistan

Nachricht vom: 05.08.2009

Shelter Now startet Kampagne in der Braunschweiger Fußgängerzone

Die Finanzkrise hat es gezeigt: Unser Finanzgebaren – basierend auf Euro und Dollar – ist künstlich und in hohem Maß unrealistisch geworden. Die Kuchi (sprich Kutschie), eine halb nomadisch lebende Volksgruppe in Afghanistan, haben sich stattdessen eine weitaus natürlichere Währung bis heute erhalten: die Schafwährung. Die alltäglichen Dinge werden danach taxiert, wie viele Schafe man dafür bekommt oder hergeben muss.

Geld kann man nicht essen – Schafe schon. Geld verschwindet plötzlich in unvorstellbaren Mengen spurlos – Schafe nicht.

Shelter Now hat vor zwei Jahren ein Projekt gestartet: Kuchi-Familien erhalten einen Mikrokredit zum Kauf von fünf Mutterschafen, drei Familien dazu einen Bock. Nach einem Jahr werden die Kredite zurückgezahlt und an neue Familien vergeben. Manche geben aber lieber fünf Mutterschafe an eine befreundete Familie weiter. Nach fünf Jahren hat sich eine Herde von mindestens 50 Tieren entwickelt, die eine Familie voll ernähren kann.

Ein ähnliches Projekt führt Shelter Now in Dörfern durch. Hier erhalten die Familien Kredite zum Kauf einer Kuh mit jungem Kalb.

In der Fußgängerzone Braunschweigs stehen am 14. und 15. August zwei Kühe und ein Schaf – aus Kunststoff. Eine der Kühe kann man melken. Mit verschiedenen Spielen und interessanten Details sollen Passanten auf die Projekte aufmerksam gemacht werden. Außerdem wird „Dogh“, das erfrischende afghanische Joghurtgetränk und „sweet Lassie“, die süße Variante zum Probieren angeboten. Mädchen können sich mit Henna die Hände mit afghanischen Mustern bemalen lassen.

Man kann auch „Schaf-Anteile“ erwerben. Ein Schaf kostet ca. 70 Euro. Anteile werden in 1/10 Schaf für jeweils 7 Euro vergeben. Die Afghanen können mit einer „Rendite“ von ca. 60% rechnen. Ähnliche Renditeversprechen würden in der Investment Branche als unseriös bis kriminell gelten. Hier sind sie natürlich und ermutigend, spenden sie doch Leben und sichern die Existenz der Menschen in der kriegsgebeutelten Region. Außerdem ist dies ein richtiger Ansatz, die Menschen Afghanistans nicht in eine neue Abhängigkeit, sondern in die Selbstständigkeit zu geleiten. Entwicklungszusammenarbeit, wie sie sein soll.

Shelter Now Direktor Udo Stolte konnte bei seinem letzten Besuch in Afghanistan im Juli eine positive Zwischenbilanz ziehen. Die Kredite werden zurückgezahlt – von manchen Bauern für die Kühe etwas verspätet, von den Kuchi für die Schafe pünktlich – und sind neu vergeben worden. Zusätzliche Kredite wurden vergeben.

Inzwischen konnten sich 140 Kuchi-Familien und 82 Dorffamilien auf diese Weise eine Existenzgrundlage schaffen. Da die Kredite jährlich immer weitergereicht werden (auch in Form von Tieren), können noch viele hundert Familien in den nächsten Jahren davon profitieren.