Waisenhaus in Nord-Afghanistan

Mehr als 20 Jahre Krieg hat viele Kinder in Afghanistan zu Waisen gemacht. Oft werden sie, der afghanischen Familienkultur entsprechend, von nahen Verwandten aufgenommen. Aber viel zu häufig ist dies nicht möglich. In Faizabad unterstützt Shelter Now ein Waisenhaus. Die 60 Kinder, die hier ein Zuhause finden, sind noch immer auf Hilfe angewiesen.

Eine Shelter Now-Mitarbeiterin berichtet

Gruppe afghanischer Kinder

Krieg und Armut in Afghanistan haben viele Waisenkinder hervorgebracht. Sie benötigen dringend Hilfe.

"Rahem (16) und Bardria (9) sind zwei von 60 Waisen in Faizabad. Alle 60 haben ihre Väter durch Krieg und Krankheiten verloren, einige auch ihre Mütter. Von einer Witwe wird erwartet, dass sie für ihre Kinder aufkommt. Dies ist jedoch kaum zu leisten, denn eine Witwe hat nur äußerst wenige Einkommensmöglichkeiten. Falls sie wieder heiratet, muss sie ihre Kinder aus erster Ehe verlassen, denn ihre neue Familie wird die Kinder eines anderen Mannes nicht akzeptieren. Nur manchmal können die Kinder in der Familie des gestorbenen Vaters unterkommen.

Rahem geht von 8 bis 12 Uhr zur Schule, dann arbeitet er von 13 bis 17 Uhr als Mechaniker. Er bekommt kein Geld, weil er noch lernt.

Bardria hält sich manchmal bei ihrer Stiefmutter auf, ist aber meistens im Waisenhaus, weil ihre Stiefmutter es nicht schafft, sie bei sich zu behalten. Bardria geht vier Stunden am Tag in die Schule. In den 3-monatigen Winterferien bis Ende März müssen alle Kinder in eine Koranschule gehen.

Richard und ich gaben in den Winterferien Englisch-Unterricht. Richards Klasse hatte 10 Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren, ich hatte zwei Klassen mit insgesamt 20 Schülern, 7 bis 18 Jahre alt. Sobald die Schul- und Arbeitszeiten besser koordiniert werden, können wir mit dem Unterricht fortfahren. Die ISAF-Truppen haben den Kindern im Winter neue Kleidung und Schränke gegeben. Sie schenken ihnen auch immer ihre Nahrungsrationen, die am Ende des Monats übrig sind. Shelter Now bezahlt das tägliche Essen für die Kinder sowie die Gehälter der afghanischen Mitarbeiter, die Miete und andere anfallende Kosten. Dazu lassen wir den Kindern alle 6 Monate ein neues Set Kleider anfertigen. Wir versuchen, dies fortzusetzen, solange wir die Finanzen dafür haben.

Das dringendste Problem im Moment: die Toiletten. Es gibt für alle 60 Waisen und die Mitarbeiter nur 2 davon. Es sind einfache Löcher mit einer Platte darüber und Wänden darum. Ihr Zustand ist erbärmlich. Sie sind voll und fließen über, wenn es regnet. Natürlich ist dies ein hygienisches Problem, das schnell Krankheiten auslösen kann. Wir wollen neue Toiletten bauen, nur fehlt uns das Geld dafür.

Dies ist nur ein kleines Waisenhaus in Afghanistan, einem großen Land, das Jahrzehnte unter Krieg litt. Bitte denkt an die vielen Waisen und Witwen, die dieser Krieg hervorgebracht hat."

Mittlerweile ist das Waisenhaus auf 100 Kinder angewachsen, ein weiteres Haus wurde hinzugenommen, so dass die Jungen jetzt von den Mädchen getrennt untergebracht werden können. Bei Heranwachsenden in dieser Kultur ist dies sehr wichtig.

Die Toiletten sind inzwischen mit der Hilfe deutscher Spender saniert. Trotzdem benötigt das Waisenhaus unsere weitere Unterstützung, denn es gibt noch Vieles, was verbessert werden muss, damit die Kinder sorgenfrei leben können.