Hausbau / Fabriken

Seit Anfang der 90er Jahre, besonders nach dem Sturz der Taliban, kehren Millionen Flüchtlinge in ihre afghanische Heimat zurück. Oft sind ihre Dörfer und Häuser zerstört. Doch für einen Wiederaufbau fehlen den Heimkehrenden die nötigen Baustoffe, es gibt zwar Lehm für die Wände, doch für das Dach über dem Kopf fehlt geeignetes Material.

Die landestypischen Flachdächer werden traditionell mit Holzbalken, Reisig und Lehm gedeckt. Aber gutes Bauholz ist schon lange nicht mehr zu beschaffen in Afghanistan, diesem einstmals waldreichen Land. Shelter Now hat deshalb seit 1992 sechs Betonfabriken errichtet, in denen Dachmaterial hergestellt wird, Träger und Platten aus Stahlbeton sowie Türen und Fenster aus Stahl und Glas. Afghanen werden dort angelernt. Damit sich auch eine normale Familie ein Haus bauen kann, wird das Material besonders günstig abgegeben, mitunter sogar kostenlos. Indem wir die Preise subventionieren, ist diese Aufbauleistung möglich. Bisher konnten mit unserem Material über 31.000 Häuser wieder aufgebaut werden.

junger Mann mit Schleifmaschine

In unseren Fabriken bilden wir junge Menschen zu Metallfacharbeitern aus.

Während der Geiselhaft unserer Mitarbeiter im Jahr 2001 haben die Taliban alle Beton-Fabriken geplündert und zerstört. Der Wiederaufbau kostet uns je Fabrik etwa 100.000 Euro. Zwei der Fabriken arbeiten inzwischen wieder. Aber noch immer ist der Bedarf an Bauelementen riesengroß. Bereits vor der Zerstörung mussten die Menschen manchmal sechs Monate warten auf das gefragte Dachmaterial von Shelter Now.

Im Sommer 2002 konnten wir eine neue Fabrik nördlich von Kabul errichten. Hier wurde das gesamte Beton-Material sowie Türen und Fenster für das Hope Village "Sabz Sang" produziert und außerdem Platten für ein Entwässerungs-Projekt in Kabul. Seit Frühjahr 2003 wurde Dachmaterial für weitere Nachbardörfer in dieser Fabrik hergestellt. Nicht nur Wohnhäuser konnten damit gebaut werden, sondern auch Gemeinschaftshäuser und Schulen.

Eine wichtige positive Nebenwirkung der Fabrik: Hier werden junge Männer zu Stahl-Facharbeitern ausgebildet und bekommen nach 6 Monaten ein entsprechendes Zertifikat. Fachkräfte sind gefragt. Damit haben sie eine gute Aussicht auf einen Arbeitsplatz in Kabul.